Die folgende Erklärung des Biofilms entstammt dieser Quelle:

Aus World Union of Wound Healing Societies (WUWHS) Prinzipien der Best Practice: Diagnostik und Wunden. Ein Konsensusdokument. London: MEP Ltd, 2008

Sobald sich mobile (planktonische) Bakterien einer Oberfläche angeheftet haben, z.B. in einer Wunde, können sich diese in einem Glykokalyx bezeichneten Schutzfilm einhüllen und einen Biofilm bilden. Der Biofilm schützt die Bakterien vor antimikrobiell wirksamen Substanzen und dem Immunssystem (1).

Die Analyse von Wundbiopsien unter dem Laser- oder Elektronenmikroskop hat bei 60 % der untersuchten Proben Biofilm ergeben (2). Es wird spekuliert, das die Entfernung von Biofilmen vielleicht die Heilung beschleunigen und erklären könnte, warum ein Debridement bei chronischen Wunden den Heilungsprozess beschleunigen kann.

Derzeit gibt es keine Routinemethode zum Nachweis von Biofilmen: sie sind mit bloßem Auge nicht sichtbar und Kulturtechniken können nicht sicher bestätigen, ob möglicherweise gewachsene Bakterien einen Biofilm gebildet haben. Es sind weitere Forschungen erforderlich, um den Zusammenhang zwischen Bakterien, Biofilmen und Wundergebnissen zu ermitteln.

In der Rubrik "Erreger des Monats" der Zeitschrift "Wundmanagement" 4. Jahrgang, Januar /Februar 2010, Heft Nummer 1 gibt es ebenfalls einen sehr interessanten Artikel über den Biofilm. Hier wird ebenfalls auf die Herausforderung der Entfernung des Biofilms hingewiesen:

"...Biofilm sorgt für eine verminderte Wirkung von Antiseptika und Antibiotika, wobei erstere die Zellen nicht oder nur unvollständig erreichen und die Standhaftigkeit gegenüber Antibiotika auch durch das veränderte Stoffwechselverhalten erklärt werden kann..." (4) (5)

Hier wird zum Schluß folgendes Fazit gezogen:

"Auf Grund ihrer Eigenschaften sind Biofilme aus der Wunde schwer zu entfernen, wenn nicht mechanische Methoden angewandt werden können. Um eine Nachhaltigkeit bei der Biofilmentfernung zu erreichen, muss eine entsprechende Wundbettkonditionierung durch lokal anwendbare Produkte und Verbandmaterialien angestrebt werden."

Biofilm kann im Moment nur effektiv durch ein chirurgisches Debridement oder die Reinigung der Wunde mit dem Ultraschallgerät der Firma Söring entfernt werden. Erst danach können gängige lokal anwendbare Produkte, z.B. mit Octenidin, PHMB, oder Verbandmaterialien, z.B. Hydrophobe Wundauflagen, silberhaltige Wundauflagen, medizinischer Honig..., evtl. eine erneute Bildung des Biofilms verhindern.

Literaturnachweis:

(1) Percival SL, Bowler PG. Biofilms and their potential role in wound healing. Wounds 2004; 16 (7): 234-40

(2) James GA, Swogger E, Wolcott R, et al. Biofilms in chronic wounds. Wound Repair Regen 2008; 16 (1): 37-44

(3) Schwarzkopf A:"Innenleben"- Der Biofilm aus der Sicht eines Bakteriums.WundM 2010; 4[1]: 24-25

(4) Nett JE, Gutte KM, Ringeisen A, Holoyda KA, Andes DR: Reduced biocide susceptibility in Candida albicans biofilms. Antimicrob Agents Chemother 2008; 52: 3411-3.

(5) Kubota H, Senda S, Tokuda H, Uchiyama H, Nomura N: Stress resistance of biofilm and planktonic Lactobacillus plabtarum subsp. plantarum JCM 1149: Food Microbiol 2009; 26: 592-7