Chronische Wunden sind nicht keimfrei. Geringgradige Kontamination bzw. Kolonisation können der Regelfall sein und sind meist irrelevant für den Heilungsverlauf. Ausnahmen bilden hier Patienten mit Verbrennungen, Patienten mit Ischämie beim Diabetischen Fußsyndrom und die Wundkolonisation bei MRSA.
Generalisierte Zeichen einer Wundinfektion sind:
· Krankheitsgefühl des Patienten
· Fieber
· Tachykardie
· erhöhte Leukozytenzahl
· erhöhter CRP-Wert
· beschleunigte BSG
Lokale Zeichen einer Wundinfektion sind:
· Rötung (Rubor)
· Schwellung (Tumor)
· lokale Überwärmung (Calor)
· Wundschmerz (Dolor)
· Vorhandensein von Eiter (Pus)
· Fehlfunktion
Mögliche lokale Zeichen einer Wundinfektion bei einer primär heilenden Wunde:
· Rötung
· Schwellung
· Verhärtung des wundumgebenden Gewebes
· Nahtdehiszensen nach Entfernen von Fäden oder Klammern
· Entleeren von Eiter oder seröser Flüssigkeit aus Nahtdehiszensen
Mögliche lokale Zeichen einer Wundinfektion bei einer sekundär heilenden Wunde:
· ungesund (blassrosa, wässrig) aussehendes Granulationsgewebe
· spontan oder bei leichtem Kontakt blutendes Granulationsgewebe
· Schmerz im Wundgebiet
· Rötung, Schwellung, Überwärmung der Wundumgebung, Geruch
· Bilder von Eiter oder großen Mengen von Wundexsudat
Von der Kontamination einer Wunde spricht man, wenn vereinzelte, nicht proliferierende Bakterien vorhanden sind. Hierunter kommt es in der Regel zu keiner Beeinträchtigung der Wundheilung.
Von Kolonisation einer Wunde spricht man, wenn eine Keimvermehrung ohne Infektion stattfindet, und es zu einer Koloniebildung kommt. Auch hier liegt in der Regel keine Beeinträchtigung der Wundheilung vor.
In der kritischen Kolonisation kommt es zu einer deutlichen Vermehrung der Keime, die in eine Infektion umschlagen kann, wenn keine adäquaten Maßnahmen ergriffen werden.
Von Infektion spricht man, wenn eine starke Vermehrung der Keime, z.T. eine Invasion, stattfindet. Hier kommt es zu einer Beeinträchtigung der Wundheilung.
Wundinfektionen können sich in allen Stadien der Wundheilung entwickeln.
Im August 2009 wurde in der englischsprachigen Zeitschrift "Ostomy Wound Management" ein Artikel mit dem Thema " A cross -sectional Validation Study of Using NERDS and STONEES to Assess Bacterial Burden" von Kevin Y. Woo und Gary Sibbald veröffentlicht.
NERDS = Erkennungszeichen für eine kritische Kolonisation
N = Non healing Wound (nicht heilende Wunde)
E = Exsudativ Wound (exsudierende Wunde)
R = Red and bleeding Wound (rote und blutende Wunde)
D = Debris (Fremdkörper)
S = Smell from the Wound (Wundgeruch)
STONEES = Erkennungszeichen für eine tiefe Hautinfektion oder eine Infektion der Wundumgebung
S = Size is bigger (Wunde vergrößert sich)
T = Temperature increased (Wundtemperatur erhöht sich)
O = Os (probes or exposed bone) (getastete oder freiliegende Knochen)
N = New areas of breakdown (Neue aufgebrochene Areale)
E = Erythema/Edema (Ödeme)
E = Exsudate - Wundflüssigkeit
S = Smell (Geruch)
Beide Eselsbrücken könnten evtl. in Zukunft eine Möglichkeit sein, eine mögliche Differenzierung zwischen kritischer Kolonisation und tiefer Hautinfektion oder Wundumgebungsinfektion vorzunehmen. Die Autoren sagen allerdings auch, dass weitere Untersuchungen nötig sind um zu sehen, ob dies auch eine Möglichkeit für nicht auf Wundmanagement spezialisiertes Personal ist, eine Unterscheidung zu erkennen.