Bereits in der Antike nutze man die bakterientötende Eigenschaft von Silber. Silber ist gegen ca. 250 unterschiedliche Mikroorganismen wirksam, in dem es in die Zelle eindringt, dort die DNA verändert und so eine Vermehrung verhindert.
Silber ist kein schlechtes Produkt, allerdings sollte man ein paar Grundregeln beachten.
- Es gibt bisher keine Studien, die belegen, was eigentlich mit dem Silber in der Wunde passiert. Wird es über die Wunde in den Organismus aufgenommen? Was passiert im Organismus mit dem Silber?
- Wie lange kann ich unbedenklich ein silberhaltiges Produkt einsetzen, bevor es zu einer Resistenzentwicklung kommt?
Im Februar 2009 wurde u.a. in der Zeitschrift „Wundmanagement“ eine Praxisorientierte Expertenempfehlung zur Behandlung kritisch kolonisierter und lokal infizierter Wunden mit Polihexanid veröffentlicht [1]. Hier heißt es u.a.: "...Oberstes Ziel der Behandlung ist es, die klinischen Infektionszeichen zu beseitigen. Die lokale antiseptische Behandlungsdauer beträgt üblicherweise 2 bis 5 Tage und sollte 14 bis 21 Tage nicht überschreiten. Bilden sich die Infektionszeichen nicht zurück, ist die Effiziens der bisherigen Maßnahmen zu überprüfen, ggf. sind neue festzulegen..." (Die PDF-Datein kann auf der Homepage von Lohmann & Rauscher unter dem Thema Publikationen heruntergeladen werden oder Sie fragen den für Sie zuständigen Außendienstmitarbeiter).
Wenn also für Polihexanid (Lavasept, Prontosan, PHMB...) bereits eine Empfehlung ausgesprochen wird, dies nicht länger als 21 Tage anzuwenden, warum sollte das nicht auch für silberhaltige Wundauflagen, Wundauflagen mit Honig, Octenisept... gültig sein?
Es wurden bereits erste Resistenzentwicklungen von Bakterien gegen Silber berichtet [2]. Fairerweise muss man dazu sagen, dass hier mit einer sehr hohen Konzentration von Silber gearbeitet wurde. Aber angesichts der Tatsache, dass man z.T. sehr unkritisch silberhaltige Wundauflagen über einen deutlich längeren Zeitraum als 21 Tage einsetzt, kann meiner Meinung nach nicht ausgeschlossen werden, das Resistenzentwicklungen möglich sind.
Bei der 14th Annual Oxford-European Wound Healing Summer School wurde ein Vortrag zum Thema "Absorption of silver from dressings in children with epidermolysis bullosa" von J. Denyer, Clinical Nurse Specialist, gehalten. Zuerst wurde die Erkrankung Epidermolysis Bullosa erklärt, dann die Besonderheiten in der Wundversorgung bei diesem Krankheitsbild und die unterschiedlichen Möglichkeiten der Wundauflagen, die dafür geeignet sind. Frau Denyer berichtete dann, dass verschiedene silberhaltige Wundauflagen bisher dafür verwendet wurden. Bei den Kindern unterschiedlicher Altersklassen wurden dann Blutproben entnommen und auf Silber untersucht. Hier wurden zum Teil hohe Konzentrationen von Silber gefunden, auch noch Monate nach Beendigung der Benutzung von silberhaltigen Wundauflagen. Daher sind zur Abgabe von Silber in die Wunde und in den Organismus dringend weitere Untersuchungen gefordert.
Literaturverzeichnis:
1. J.Dissemond, V. Gerber, A. Kramer, G. Riepe, R. Strohal, A. Vasel-Biergans, T. Eberlein: Praxisorientierte Expertenempfehlung zur Behandlung kritisch kolonisierter und lokal infizierter Wunden mit Polihexanid.WundManagement, Sonderdruck, März 2009
2. European Wound Management Association (EWMA).PositionsDocument: Management of wound infection. London: MEP Ltd, 2006